Printmedien : Das Okkulte: Eine Erfolgsgeschichte im Schatten der Aufklärung. Von Gutenberg bis zum World Wide Web

Das Okkulte: Eine Erfolgsgeschichte im Schatten der Aufklärung. Von Gutenberg bis zum World Wide Web

EUR 24,95


Ein interessantes Thema - nicht immer interessant dargestellt - Es war einmal ... die Idee vom guten, muendigen Menschen, der vom alles durchdringenden Verstand geleitet die richtigen Entscheidungen trifft. Und mit diesem aufklaererischen Gedankengut paart sich die erste Medien- und damit Kommunikationsrevolution: Buchdruck und Buchhandel, beide nicht nur im Dienste der Aufklaerer, sondern auch des Kommerz: Schon frueh verkaufen sich mehr oder weniger fantastische Geschichten, oft als vermeintliche Tatsachenberichte - auf neu-deutsch: True-Stories - und seichte Ratgeber besser als die trockenen Fruechte der Vernunft. Und die Autorin geht auch darauf ein, warum: Einerseits die altertuemliche Auffassung von der ganzheitlichen Wissenschaft, in der nicht der Vernunft, sondern die umfassendere und lebensgewandtere Weisheit dominiert, aus dem die Aufklaerung aber nur den blossen zweck- und wertfreien Intellekt herausloest und dieses Amputationsergebnis zum Filetstueck erklart. Und dadurch das einst ganzheitliche Gebaeude der Wissenschaft aushoehlt, andererseits gesellschaftliche Veraenderungsprozesse, die von den Betroffenen schlichtweg nicht vernuenftig bewaeltigt werden koennen und sie auf mehr oder weniger okkulte Erklaerungen draengt.Allerdings: Weit geht dieses Ausloten der Untiefen der Aufklaerung nicht: Weder auf eine Beleuchtung der Gewalttaetigkeit des impliziten Reduktionismus und Festsetzungspositivismus der Aufklaerung noch auf die dadurch provozierte Gegenreaktion - das Okkulte - laesst sich die Autorin ein. Vielmehr verharrt sie in einer Haltung der repetitiven Darstellung der verderblichen, i.e. nicht-aufklaererischen Effekte der Massenmedien und einer Anklage der okkulten Scharlatane, Quacksalber, Wunderheiler und Wahrsager.Besonders dort, wo sich die Darstellung der Zeitgeschichte naehert wirkt dies dann sehr schnell seltsam dumm: Ja, das dritte Reich hat sich eine Reihe okkulter Vehikel bedient. Aber: Ebensoviele aufgeklaerte Wissenschafter haben sich wertfrei forschend und denkend in ihren Dienst gestellt. Und: Ja, das Internet liefert fuer okkulte Gedanken eine breite Plattform - aber: das gilt auch fuer die saubere Wissenschaft. Und deren Ergebnisse und Theorien sind - zumindest fuer den Laien und wohl auch fuer das Genie oft besser mit Leib, Geist und Seele als mit dem Hirn alleine zu begreifen - man denke an die Elementarphysik. Oder ihre Ergebnissen haftet bei naeherer Betrachtung ohnehin etwas okkultistisches an - man denke an die Wirtschaft- und Sozialwissenschaften. Insgesamt wird man und vielleicht auch frau den Eindruck nicht los, dass an der Autorin die Postmoderne Aufklaerungskritik ohne nennenswerte Rezeption vorbeigegangen ist. Das Buch wirkt dadurch manchmal sehr (sehr!) altbacken und an den schlechtesten Stellen die Autorin in ihrer Ignoranz der offenkundigen Fehlleistungen der Aufklaerung, die das Okkulte befoerdert haben, ignorant bis ueberheblich. Mein Fazit: Lesenswert wegen der unterhaltsamen historischen Berichte, das letzte Drittel - erster Weltkrieg bis zur Gegenwart - kann man getrost liegen lassen.




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